Liebe Mitglieder und Freunde des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken, liebe Leserinnen und Leser!
Die Heilige Woche führt zum Osterfest, dem Höhepunkt des Kirchenjahres. Palmsonntag bis Ostersonntag beschreiben nicht nur Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi, sondern gleichzeitig die "Lebensreise" eines jeden Menschen. Der Sohn Gottes spiegelt mit seinem irdischen Leben die Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben oder eines Tages machen werden. Jubel und Freude vom Palmsonntag sind uns so vertraut wie der Verrat, die Angst am Gründonnerstag, das ungerechte Urteil, das Leiden und der Tod am Karfreitag.
Die vergangenen Wochen der Fastenzeit haben uns auf die Themen Versuchung, Sünde, Beziehung und Vertrauen aufmerksam gemacht, ausgehend von den markanten Worten des Aschermittwochs: "Bedenke, oh Mensch, du bist von Staub und wirst zu Staub werden." Das ist eine Erinnerung daran, dass das Leben des Menschen zeitlich begrenzt und zerbrechlich ist; wir sollten es somit täglich sorgsam begehen. Wirtschaftliche Unsicherheiten, politische Spannungen, gewaltsame Konflikte beschreiben unsere Gegenwart weltweit. Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden, geraten in besondere Nöte. Die Entwurzelung, die die Vertriebenen aus den ostdeutschen Gebieten nach dem Zweiten Weltkrieg am eigenen Leib erleiden mussten, wiederholt sich heutzutage an verschiedenen Orten weltweit.
Das Buch Genesis beschreibt die Vertreibung des ersten Menschen aus dem Paradies. Der Mensch, den Gott aus dem Staub erschaffen hatte, hatte den Worten Gottes nicht vertraut; er konnte der Versuchung nicht widerstehen, es selber besser zu wissen. "Ich kann es besser und ich weiß es besser", ist eine oft anzutreffende Haltung. Gott und sein Wort zu ignorieren, führt am Ende ins Elend, in die Enttäuschung, in die Heimatlosigkeit, in den Tod. Warum ist das Vertrauen in Gottes Versprechungen für uns so schwer? Vertrauen ist jedoch eine Basis für das Miteinander. Wir wissen nur zu genau, was es bedeutet, wenn Vertrauen einseitig gebrochen wird. Es führt in der Regel zu unnötigem Leid.
Erfolg, Macht, Geld, Stolz und Popularität verführen den Menschen, Gott aus dem Blick zu verlieren, ihn zu vergessen. Viele Menschen stehen in dieser Spannung auf ihrer Lebensreise.
Ostern ist das Fest des Lebens. Wir feiern es dankbar an jedem Sonntag in der Feier der HI. Messe. Ostern will uns wachrütteln, den Glauben an Gottes Verheißungen nicht zu verlieren, an den, der alles was ist, aus Staub erschaffen hat. Alles ist Gott möglich, auch das scheinbar Unmögliche; die Auferweckung Christi ist dafür der Beweis und ein weiterer Grund unseres bedingungslosen Gottvertrauens.
Was bedeutet die HI. Schrift für mich? Wer ist der Herr meines Lebens in den Höhen und Tiefen und Wundern, die ich erfahre? Wem vertraue ich? Wer führt mich zum Leben? Wer schenkt mir Frieden und Freude?
Mit diesen Fragen für die fünfzig Tage der Osterzeit grüße ich herzlich aus den Vereinigten Staaten und wünsche Ihnen und Euch den Segen Gottes und seinen Frieden und große Freude über die Auferstehung Christi l
Herzlichst, Ihr/Euer Präses
Gundolf Brosig