Ostergrußwort

 

 

Von Weihbischof Dompropst Dr. Reinhard Hauke

Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

 

„Geborgenheit und Hoffnung“

 

In der Allerheiligenkirche zu Erfurt wurde 2007 ein Kolumbarium eingerichtet. Die gotische Kirche besteht aus zwei Kirchenschiffen. Das rechte Kirchenschiff wird weiterhin als Gottes-dienstraum für das monatliche Totengedenken, für die Heilige Messe und für Andachten ge-nutzt. Der barocke Hochaltar zeigt in seinem Altarbild die große Schar der Heiligen beim Lobgesang vor dem Thron Gottes. Im linken Seitenschiff sind 15 Stelen aufgestellt, die Platz für 630 Urnen bieten. Christen und auch Nichtchristen, die mit dem katholisch gestalteten Kirchenraum einverstanden sind, können hier einen Urnenplatz erwerben und für 20 oder auch mehr Jahre in dieser Kirche zum Gedenken an ihr eigenes Leben, aber grundsätzlich auch an Tod und Auferstehung einladen. Unten stehendes Foto nahm Peter Weidemann auf.

„Endlich konnte ich mit meinem Mann über das Thema ‚Tod‘ und ‚Sterben‘ sprechen!“ – sagte eine Frau, die sich mit ihrem Mann in der Allerheiligenkirche einen Platz erworben hatte. Die oft bekannte Sprachlosigkeit über diese beiden Themen wurde gebrochen, als das Angebot für einen solchen Urnenplatz durch die Domgemeinde unterbreitet wurde. Wenn dieser Kirchenraum den Gedanken an Geborgenheit und Hoffnung über den Tod hinaus vermitteln kann, dann besteht auch die Bereitschaft, darüber nachzudenken und mit größerer Zuversicht in die persönliche Zukunft zu schauen.

Dass unser Leben endlich ist, ist eine schwer zu verkraftende Tatsache. Daher müssen auch wir Christen die Trauer zulassen und gestalten. Das tun wir im Totengedenken und mit den christlichen Traditionen, wie sie sich in den verschiedensten Ländern und Kulturen entwickelt haben. Nicht alles passt zu unserer Art. Die meisten Menschen brauchen bei diesen Themen Stille oder gute Texte oder Musik. Wir sind traurig, wenn wir dazu keine Zeit haben. Leider war es in den letzten Monaten so, dass Angehörige keine Gelegenheit bekommen konnten, von ihren Verstorbenen in gebührender und bekannter Weise Abschied zu nehmen. Es ist dann hilfreich, dass es beim Totengedenken und Totengebet am Grab oder im Gottesdienst der Kirchgemeinde die Möglichkeit dazu gibt – auch Monate und Jahre später. Es ist immer hilfreich, wenn dann das persönliche Gebet durch eine christliche Gemeinde unterstützt wird. Anderen geht dann das österliche Halleluja besser über die Lippen als den trauernden Ange-hörigen. Das ist eine der Kostbarkeiten, die uns Christen geschenkt ist: die Gemeinschaft im Glauben, Hoffen und Lieben.

Tod und Auferstehung sind Wirklichkeiten, die wir durchleben müssen und dürfen. Das Osterfest 2021 hat einen eigenen Charakter, denn der Tod und die Todesgefahr standen uns in den letzten Monaten näher als sonst. Das Oster-Halleluja wird vielleicht etwas vorsichtiger gesungen, wenn wir an die Verstorbenen in unseren Pfarrgemeinden und in der ganzen Welt denken und in die Gesichter der Angehörigen schauen. Aber die Wirklichkeit des neuen Lebens mit Christus ist die gleiche Wirklichkeit wie immer, denn sie besteht in der Zusage Jesu, dass er für uns beim Vater im Himmel eine Wohnung mit unglaublicher Geborgenheit geschaffen hat.

Gesegnete Ostertage und ein mutiges Halleluja wünscht

 

                        Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

 

 

 

 

Kolumbarium in der Allerheiligenkirche zu Erfurt  - Photo: Pfarrbriefservice Weidemann