Liebe Mitglieder und Freunde des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken, liebe Leserinnen und Leser!

 

 

Den Hosannajubel des Palmsonntags hat Jesus hingenommen. Bald wird er diese ganze Menge gegen sich haben; selbst die Jünger werden ihn allein lassen. Auch die Kirche hat im Laufe ihrer langen Geschichte beides erlebt – begeisterte Zustimmung und entschiedene Ablehnung. Mal so, mal so ... könnte man als Überschrift für das Leben setzen. Mal läuft es gut, mal weniger, oder es geht sogar alles schief!

 

Was mögen die Ukrainer zurzeit denken? (Ich schreibe diese Zeilen vor dem 2. Fastensonntag, d. h. am Beginn der 3. Kriegswoche). Was denken die noch lebenden Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg angesichts der Bilder im Fernsehen, die Mütter mit ihren kleinen Kindern ohne ihre Männer zeigen? Erinnerungen der Erzählungen meiner Großmutter und meiner Eltern werden wach. Mütter mit ihren Kindern auf der Flucht vor den unmenschlichen russischen Angriffen, ohne jede Rücksicht auf die wehrlose Zivilbevölkerung. Bisher sind es eineinhalb Millionen Menschen, die zumindest eine vorübergehende Bleibe im Westen suchen.

 

Das Leben ist unvorhersehbar. Wie schnell kann sich das Leben von heute auf morgen verändern. Die Erfahrungen der wenigen letzten Jahre vermitteln mir das Gefühl einer ewigen Fastenzeit. Das Coronavirus, das bis heute unser Leben begrenzend beeinflusst, und nun, wo wir langsam in ein normales Leben zurückgelangen, ein ungerechter und menschenverachtender Krieg in der Ukraine, der unser Leben wiederum beträchtlich berührt.

 

Was waren es doch für schöne, unbeschwerte und friedliche Jahrzehnte … früher, als es Jahr für Jahr besser wurde und der Lebensstandard in Deutschland ständig stieg! Die Spirale kannte nur das „Oben“. Und nun?

 

Die Hl. Schrift kennt solche schwarz-weiß Erfahrungen; der Mensch Jesus von Nazareth hat sie am eigenen Leib erfahren und das Ganze wird komprimiert sichtbar in der Hl. Woche. Der Einzug Jesu in Jerusalem: Jesus wird als der erwartete Messias, als Friedenskönig begrüßt und wenige Tage darauf ist dieser Ort des Friedens zum Ort der Tötung eines Unschuldigen geworden. Es bleibt die harte Wirklichkeit des Kreuzes. In der Leidensgeschichte nach Lukas finden wir aber auch die verborgenen Lichter, die die Leidensnacht erhellen. Diese verborgenen und unscheinbaren Lichter wünsche ich allen Menschen, die sich fürchten vor dem, was kommen wird; ich wünsche sie allen, die persönlich betroffen sind vom Krieg, von Trauer und Einsamkeit, von Krankheit und materiellem Elend, Hunger und Durst und der schlichten Angst im Heute und vor dem Morgen, vielleicht fernab der Heimat!

 

Allen, die die Möglichkeit haben, die Hl. Woche in ihrer Gemeinde mitzufeiern, wünsche ich Trost und Kraft im Hören der Hl. Schrift und im Empfang der Sakramente. Wir dürfen im Blick auf Jesus, unserem Vorbild der Liebe, nicht aufhören zu beten. Besonders für diejenigen, die nicht mehr beten können angesichts der Not und des Leids, das sie erfahren! Das Gebet ist nicht nutzlos. Das Gebet kann Wunder bewirken, die wir Menschen nicht denken können. Nicht zuletzt schenkt uns das Gebet innere Kraft und Stärke gerade in den Zeiten der Not. Corona und Menschen wie Wladimir Putin zeigen uns eklatant unsere menschliche Begrenztheit. Ostern brauchen wir stets neu. Vertrauen wir auf Gottes Hilfe in schweren Zeiten und auf das österliche Wunder!

 

Ich wünsche Ihnen mit Ihren Familien und allen Menschen, die auf unser Gebet hoffen, die Erfahrung der Auferstehung und eine gesegnete Osterzeit!

 

 

Ihr  Gundolf Brosig,   Präses