Betrachtung Weihnachten 2021

 

 

Hut ab!

 

Bild: © Weihbischof Dr. Hauke

 

 

 

Hut ab!

 

Der niederbayerische Ort Sammarei liegt unweit der Stadt Passau. Sein Name kommt aus den lateinischen Worten „Sancta Maria“. In der mundartlichen Abwandlung wurde daraus „Sankt Marei“ und „Sammarei“. In der dortigen Wallfahrtskirche mit dem Patrozinium „Maria Himmelfahrt“ findet sich ein prächtiger Schnitzaltar von 1647.

Zu den Hauptmotiven des barocken Altares gehört auch ein Weihnachtsbild. Was sofort ins Auge fällt ist der Hirt, der seinen Hut zieht, als er das Jesuskind sieht. Er scheint es mit Schwung zu tun. Sein Gesicht zeigt große Freude, die zum Ausdruck bringt: „Endlich ist es soweit. Ich kann den Messias sehen!“ Ein anderer Hirt im Hintergrund spielt auf seiner Flöte. Die Gewänder sind mit Gold überzogen, was die Kostbarkeit des Augenblicks zum Ausdruck bringen soll. Es handelt sich um eine Sternstunde der Menschheit, die hier dargestellt wird. Ganz im Hintergrund sieht man den Engel auf dem Hirtenfeld in Bethlehem. Unser Hirt kommt schon von dort und hat verstanden, was „die Stunde geschlagen hat“. Es gab für ihn keine andere Wahl als sich auf den Weg zu machen, um dem göttlichen Kind seinen Gruß und seine Dankbarkeit zu schenken. Maria, die Gottesmutter, zeigt auf das Kind, als ob sie sagen möchte: „Ich habe das Kind für euch geboren!“ Der heilige Josef steht hinter Maria und stärkt sie in ihrer Aufgabe. Auch er und Maria tragen goldene Gewänder, denn was hier geschieht, ist von göttlichem Glanz erfüllt und erleuchtet alle, die auf das Kind schauen.

Goldene Krippenfiguren kenne ich in Thüringen nicht. In den Krippendarstellungen der Kirchen und Märkte haben sie oftmals normale Kleidung, denn das Ereignis soll ganz in der Realität stehen. Die Anwesenheit der Engel öffnet dann das Ereignis auf den Himmel hin. Hier jedoch ist der göttliche Glanz auf den Kleidern der Beteiligten Ausdruck für das, was im Verborgenen geschieht: Gott ist mit seiner Herrlichkeit in die Welt gekommen.

Der Hirt zieht den Hut. Das ist eine Geste der Ehrerbietung. Er zieht den Hut vor einem Kind im Futtertrog. Er hat also schon erkannt, welches verborgene Geheimnis in diesem Kind liegt. Die Botschaft des Engels hat ihm die inneren Augen geöffnet.

Vor unseren Krippendarstellungen in den Kirchen stehen große und kleine Menschen mit staunenden oder auch fragenden Augen. Wenn eine Krippe auf einem Weihnachtsmarkt zwischen Märchendarstellungen steht, dann kommt manchmal die Frage auf: „Mama, welches Märchen ist das? Das wäre gut. Vielleicht ist die Mama aber noch am Grübeln und sagt: „Da hier eine Mutter, ein Kind und Stroh zu sehen sind, könnte es zum Märchen ‚Rumpelstilzchen‘ gehören.“ Hier hoffe ich dann, dass jemand das Geheimnis der Menschwerdung Gottes erklären kann. Hier sind wir als Christen gefragt. Es ist schon gut, wenn jemand die Darstellung sachgerecht erklären kann. Besser ist es jedoch, wenn jemand bekennt: „Gott ist für dich in diesem Kind in die Welt gekommen, damit du zum Kind Gottes werden kannst.“ Daraus entsteht echte und langanhaltende Freude.

 

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und die Freude am neuen Leben durch das Kind von Betlehem wünscht von Herzen

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke