Liebe Mitglieder und Freunde des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken, liebe Leserinnen und Leser!

 


Alles durcheinandergewirbelt! Sturzbachähnlicher mehrtägiger Dauerregen ist für einen Teil der Bevölkerung unseres Landes zur Katastrophe geworden. Ich denke zuerst an die Toten, die Verletzten, deren Angehörige und an die immensen Verluste, die zu beklagen sind. Die Bilder aus den betroffenen Landesteilen erinnern teilweise an Kriegsschauplätze. Weniges ist heil geblieben, Vieles wurde zerstört, beschädigt oder verschwand ganz und gar in den Wassermassen. Nicht zu vergessen die Traumata und seelischen Nöte der Anwohner.
Nun beginnt der Advent, eine beschauliche stille geheimnisvolle Zeit im Schein von Kerzen, zum Klang adventlicher Musik und gekrönt vom Duft des Adventsgebäcks. Ist Advent für die Flutopfer möglich? Wie werden sie die adventlichen Traditionen erleben? Wie war das mit Advent und Weihnachten bei den Vertriebenen unmittelbar nach dem Ende des Krieges? Alles durcheinander-gewirbelt – fern der Heimat, verlustig geliebter Menschen und Dinge, die Mühsal und Ängste der Wege und Stationen nach Westen in den Knochen, seelisch verletzt und traumatisiert. Wie erlebten sie den ersten Advent – oftmals auf engstem Raum zusammengepfercht, mehr oder weniger geduldet bei Fremden und mit geringen Perspektiven für die nahe Zukunft?
Ich habe aus der eigenen Familie Antworten gehört, die mich immer wieder erstaunen. Gerade die christlichen Traditionen des Weihnachtsfestkreises haben den Menschen in ihrer Situation Trost gespendet. Die Gänge zu den Rorate-Messen erinnerten an die Heimat. In der Dunkelheit manches Mal auf Schnee zur Kirche unterwegs entfachten die Kirchenglocken in der Ferne eine gewisse Freude in den Herzen der Vertriebenen. Es entwickelte sich eine Zuversicht auf das Kommende. Das Durcheinandergewirbelte trat in den Hintergrund, zumindest zeitweise. Den Glaubenden wurde bewusst: Nicht wir Menschen allein bauen eine neue bessere Welt, es braucht immer wieder neu den kommenden Christus, den Tröster, den Heiland, den Retter.
Was wird uns eine neu gewählte Regierung bescheren? Was wird mit dem Frieden und der Sicherheit weltweit? Wie geht es mit der Klimaveränderung und den weltweiten Antworten darauf weiter? Welchen ungeahnten Naturereignissen werden wir uns stellen müssen? Werden wir die geplante Energiewende schaffen? Werden wir unseren Lebensstandard halten können? Was bedeuten Covid 19 und seine Varianten für unser weiteres Leben? Wie geht es weiter in unserer Kirche mit den bekannten Problemen? Wie viele Flüchtlinge weltweit werden sich auf den Weg machen?
Der Advent mündet in das Weihnachtsfest. Beide Zeiten sind eine gute Einübung in das Menschsein. Da ist auf der einen Seite die Hoffnung auf unsere Erwartungen und Pläne, auf der anderen Seite gibt es Ängste, ob aus den Träumen etwas wird. Die Hoffnung ist mächtiger als unser Können.

Solange Menschen leben, wissen sie, dass sie die wahre und bleibende Zukunft nicht von sich aus schaffen können. Die wahre Zukunft unseres Lebens kommt auf uns zu. Gott ist die Zukunft unseres Lebens!
Wir erleben im Advent in besonderer Weise einerseits unsere eigene geplante Zukunft, die aber immer wieder auch scheitert, und andererseits die verlässliche Zukunft, die Gott uns schenkt. Die göttliche Zukunft fühlen wir gegenwärtig gewiss vorläufig und bruchstückhaft; am ehesten ist sie vielleicht zu spüren im Trost und in der Hoffnung der Heiligen Nacht.


Ich wünsche Ihnen mit Ihren Familien eine frohe friedvolle und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!


Herzlich grüßt


Ihr Gundolf Brosig

 

Militärpfarrer und Präses des Heimatwerkes Schlesischer Katholiken e.V.